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Kitaalltag während einer Pandemie

Montagmorgen: die ersten Kollegen öffnen sämtliche Fenster und Türen in der Einrichtung: Durchzug bevor die Kinder kommen! Lüften ist gerade in dieser Zeit wichtiger denn je.

Die Kinder und Erzieher*innen finden sich innerhalb der nächsten Stunde zusammen. Für die drei Gruppen gibt es mindestens zwei getrennte Eingänge, damit sich die Familien während des Bringen- und Abholens so wenig wie möglich begegnen. Die Kinder verabschieden sich bereits vor der Eingangstür mit einem Nasenküsschen von ihren Eltern und kommen dann freudestrahlend in den Kindergarten direkt in ihren Gruppenraum, um sich dort umzuziehen, damit es zu keinen großen Begegnungen zwischen den Gruppen kommt.

Von innen haben die Familien die Einrichtung schon lange nicht mehr gesehen. Nur die Eltern, die in dieser schwierigen Zeit ihre Kinder in der Kita eingewöhnen, dürfen in unser Haus. Ein treuer Begleiter ist immer dabei, welcher seit einem Jahr kaum noch wegzudenken ist: der Mund- und Nasenschutz. Außerhalb des eigenen Kitaraumes ist das Tragen der FFP2 Maske für Mitarbeiter*innen Pflicht. Die einzige Ausnahme: im Bad während der Wickelsituation! Eltern müssen während der Eingewöhnung permanent einen Mund- und Nasenschutz tragen.

Für die Kinder gehört es inzwischen schon fest zum Alltag, und trotzdem ist es für alle Beteiligten an den einfachsten Stellen schwierig: „Welches Elternteil kommt da gerade?“ – Manchmal verwechseln sogar die Kinder die Erwachsenen: „Jennifer, deine Mama ist da!“, rief die kleine Emily, dabei ist es die Mutter von Katrin. Im Zweifelsfall nehmen die Erwachsenen, die draußen vor den Fenstern stehen, um ihre Kinder abzuholen, sogar für ein paar Sekunden die Maske ab, damit man das gesamte Gesicht erkennt und bringen allen sehr viel Verständnis und Humor entgegen.

Der pädagogische Alltag verändert sich stetig mit den Bestimmungen, die der Berliner Senat vorgibt. Das wöchentliche Singen in der Kirche oder das morgendliche Frühstück gemeinsam mit der Pfarrerin ist gewichen. Stattdessen arbeitet man innerhalb der AHA-Regeln und dem kitaeigenen Hygienekonzept.

Neue Herausforderungen werden im Pandemie-Alltag mit eingebaut: Finn war erkältet, darf er wieder in die Kita? Wenn ja, haben die Familien die Selbsterklärung ausgefüllt? Neuerdings sogar: Hat Patricia einen negativen Corona-Schnelltest?  Diese Informationsweitergabe allein stellt höchste koordinatorische Herausforderungen für das Team dar.

Irgendwann innerhalb des Vormittages, kommt dann von einer Kollegin die Information: „Ich baue alles auf. Danach könnt ihr zum Testen kommen!“  Zwischen Frühstück, Ankommen und dem Vorbereiten des normalen pädagogischen Alltags, zieht sich die Mitarbeiter*in für einige Minuten aus der Kinderarbeit heraus, um in einen separaten, gut durchlüfteten Raum zu gehen, wo die geschulte Kollegin in kompletter Schutzmontur bereits auf sie/ihn wartet. Denn auch hier stimmen sich die Kolleg*innen wieder untereinander ab, so dass es zu keinen Überschneidungen kommt. Ist es so weit, dann: Maske runter, Stäbchen rein und mit leicht tränenden Augen wird die Maske wieder hochgezogen und zurück zu Kindern und Kollegen gegangen.

Ein kurzer Blick auf die Uhr, und nach 30 Minuten wird die Gruppentür zum Garten für einige Minuten geöffnet, wie es der Hygieneplan vorsieht. Die Kinder kennen das inzwischen, und durch die wunderbaren Erziehungspartnerschaften sind sie bereits im Zwiebelprinzip angezogen. Falls ein Kind doch einmal friert, sind selbstverständlich weitere Kleidung und auch Decken da.

Nach dem Essen ist beim Gang ins Bad die Koordination des Teams gefragt, damit es auch hier zu keinen Überschneidungen der Gruppen kommt. Für den individuellen Gang ins Bad, verfügt jede Gruppe über eine eigene abgetrennte Toilette.  

Anschließend geht es in den Garten. Auch hier wurde darauf geachtet, dass die Kinder innerhalb ihrer Gruppe bleiben können und es zu keinen Überschneidungen kommt, indem der Garten in drei Abschnitte abgeteilt wurde. Alles, damit – falls es einen positiven Fall gibt – nicht das gesamte Haus, sondern „nur“ eine Gruppe in Quarantäne gehen muss.

Trotz der Umstände werden pädagogische Angebote gemacht und die Zeit für Freispiel genutzt. Denn Bildung soll trotz der Pandemie ermöglicht werden, um Kindern so das Gefühl von Routine und Normalität zu geben. So wird beispielsweise das Kitahochbeet neu angelegt und nebenbei recherchiert, was man dafür eigentlich alles braucht. Was darin gesät werden soll, wird natürlich von den Kindern entschieden.

Andere Angebote werden einfach spontan mit in den Garten genommen oder komplett umstrukturiert, damit sie passend für den Garten sind. So wird die meiste Zeit im Garten verbracht und zum Mittagessen und Ausruhen kurz rein gegangen.

Die wöchentliche Dienstbesprechung findet inzwischen via Videokonferenz statt, um einen Austausch innerhalb des Teams zu ermöglichen und einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.  

Während manche Kinder weiterhin täglich in die Kita kommen, müssen anderen aus Lockdown-Gründen zu Hause bleiben. Damit auch diese Kinder sich nicht vergessen fühlen, sind Telefonate, Videokonferenzen und Briefe einige Möglichkeiten, die aktiv genutzt werden, um mit den Familien und vor allem Kindern in Kontakt zu bleiben. Zusätzlich hat die Kita Schönow für die Kinder eigens gedrehte Videos auf die Internetseite hochgeladen, in denen Geschichten erzählt werden, Sport gemacht wird oder eine Fantasiereise gemeinsam mit dem Gruppenmaskottchen erlebt wird.

Manchmal gibt es außerhalb der Pandemie aber auch wunderschöne, herzergreifende Erlebnisse: wenn ein Kind die Kita besucht, um am Gartenzaun ein selbstgemaltes Bild vorbeizubringen oder an den Geburtstag des besten Freundes gedacht hat, der in der Notbetreuung ist. Oder Familien, die einen großen und reichlich gefüllten Obstkorb für das ganze Haus vorbeibringen, um das Immunsystem des Teams „aufrecht zu erhalten“. Diese Taten und Erlebnisse zeigen uns, dass all diese Einschränkungen es wert sind, in Kauf genommen zu werden. Denn nur wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, werden wir es schaffen durch diese verrückte Zeit zu kommen.

Geschrieben von Jacqueline Wille – ev. Kita Schönow Berlin

Letzte Änderung am: 27.04.2021